Würde die Wortasyl-Lesung gelingen?

Um es vorwegzunehmen: Ich war nervös. Vielleicht war es auch so eine Art Zweckpessimismus, das kann ich gar nicht so genau sagen. Morgens gegen 02:30 hatten wir den letzten Text übersetzt. Petra drohte, vor Müdigkeit in die Tastatur fallen. Früh um zehn ging es weiter – der Feinschliff und die Texthefte.  In ständigem (Mail) Kontakt mit den anderen Teammitgliedern, Sarah, Wissam und Samer, die ebenfalls noch an den letzten Dingen feilten. Heißlaufende Telefone, leichte Panikattacken. Dateien verschwanden im Chaos und tauchten in irgendwelchen Mails wieder auf. Es war göttlich…Die Texthefte gingen 14:00 in den Druck…noch drei Stunden bis zur Lesung.

Um 15:30 saßen wir dann bei Frauke im Festspielhaus zur letzten Vorbesprechung. Sie strahlte eine für mich unbegreifliche Ruhe aus. Mir ging nur eine Frage durch den Kopf: Würde denn überhaupt jemand unsere Lesung besuchen? Ich zweifelte. Tolerade als „Konkurrenzveranstaltung“ in der Stadt? Der frühe Samstagnachmittag? Alles ernstzunehmende Faktoren, fand ich. Sollten die langen Nächte vorher umsonst gewesen sein? Die Anderen sahen das offensichtlich gelassener. Zumindest trudelten so nach und nach die Autoren ein und waren dann irgendwann pünktlich. Und es kamen doch tatsächlich einige Interessierte. So konnte es losgehen.

Und es wurde richtig gut! Der kleine Raum war gut gefüllt mit Autoren und interessierten Zuhörern. Und das die eingereichten Texte klasse waren, wusste ich ja schon von den Übersetzungen her. Wir konnten diesmal auch den Bogen weiter spannen als in der Veranstaltung im Herbst. Petra und Sarah haben die Veranstaltung wunderbar moderiert, auf das beste ergänzt durch Wissams hervorragende Live-Übersetzungen. Die Mischung aus Vortrag und kurzem Gespräch mit dem jeweiligen Lesenden auf dem grünen Sofa kam beim Publikum an. Flankiert wurde das Ganze noch durch zwei syrische Gitarristen, die Brüder Saraff, die mit ihren Instrumentalstücken das Publikum auf ihre ganz eigene Art zu verzaubern wusste. Meine anfängliche Nervosität verschwand.

Am Ende dauerte die Veranstaltung doch deutlich länger als geplant und das Publikum war bis zur letzten „Minute“ dabei. Und auch nach dem offiziellen Ende gab es noch jede Menge interessante Gespräche.

Fazit: Eine gelungene Veranstaltung! Unser Team hatte trotz aller Schwierigkeiten, man darf nicht vergessen, dass wir das ehrenamtlich machen, eine sehr gute Vorbereitung hingelegt. Tatkräftig unterstützt durch das Team des Festspielhauses und des Golgi-Parks und Frauke Wetzel und Ulla Heinrich, ohne die diese Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre.

Dies als mein erstes Fazit nach der Veranstaltung, nach dem die Anspannung abgefallen ist.

Wir werden die Texte und die Bilder der Veranstaltung in den nächsten Tagen hier zugänglich machen.

 

Michael Drechsler